Das ist Crowdfunding

Eine neue Art, von Tür zu Tür zu gehen und um Geld zu betteln? – Nein, eine neue Art des Einkaufs, bei der das Ergebnis bereits an der Produktion für jeden Käufer abzusehen ist und beeinflusst werden kann.

Crowdfunding ist leider immer noch eine Fremdwort für viele Internet-Nutzer, die ihre Datenpakete zu 90% bei Amazon und Facebook hin- und herschicken. Dabei bricht es die Open Source Kultur dahin gehend auf, als Käufer bzw. Interessent gezielt Geld in kulturelle und gemeinschaftsbezogene Projekte zu investieren: Zum Beispiel um die Idee zu einem Film umzusetzen, der zwar auch ohne Crowdfunding drehbar wäre, aber dann zwischen YouTube Amateurvideos versacken würde. Bei Crowdfunding geht es also um die primäre Frage: Ist das Konzept für ein Produkt (= Projekt) schlüssig und sinnvoll oder ist es eben nur eine Idee? Und genau dafür können viele dann Kleinigkeiten zur Realisierung beitragen.

Das Konzept hinter Crowdfunding ist vom Ablauf her ganz einfach: Einer oder eine kleine Gruppe hat eine Projektidee, z.B. ein Theaterstück in Hamburg auf einer größeren Bühne aufzuführen. Das Manusskript ist selbst geschrieben, alles ist von der Gruppe erdacht und die Manpower ist vorhanden, aber es fehlt an Requisiten und einem Vorschuss für Werbemittel und Bühnenmiete. Nun gibt es entweder die Möglichkeit, das Stück so anzupassen, dass es auch in der Dorfscheune funktionieren würde oder es gibt die Chance, mit Hilfe von vielen das Stück genau so umzusetzen, wie es gedacht ist und vor allem: wie es Sinn machen würde, d.h. auf dem Status Quo der “Großen” mitzuwirken.

Crowdfunding bricht klassische Strukturen auf und baut eine direkte Brücke zwischen Interessenten (= Supportern) und Kreativen ohne den Weg zu Bank, Plattenfirma, Zeitung gehen zu müssen: Die Mehrheit entscheidet demokratisch über gute Ideen. Der gemeinschaftliche Zweck steht dadurch auch wesentlich mehr im Vordergrund: Aktives Feedback, Mitbestimmung und ein direkter Austausch mit den Machern sind nicht nur möglich, sondern erwünscht.

Wer sich nun fragt: Was passiert denn eigentlich mit meinem Geld, wenn ich investiere? Es wird nur dann an die Macher z.B. des Theaterstücks ausgezahlt, wenn genug Leute Geld gegeben haben, so dass der benötigte Geldbetrag von z.B. 1000€ innerhalb einer Zeitspanne zusammen kommt. Wenn das nicht der Fall ist, wird das gesamte Geld wieder an die einzelnen Investoren zurückgezahlt.

Lust bekommen? Eine deutsche Crowdfunding Plattform ist z.B. startnext.de. Allerdings ist die Vorgehensweise für Macher hier etwas bürokratischer – typisch deutsch: Man legt eine Projektseite mit Infos an (darunter den Zeitplan und das gewünschte Budget) und beschreibt in einem Kommunikationsplan, wie man Werbung für das Projekt machen möchte. Nach der Höhe des Budgets errechnet sich dann die benötigte Anzahl der Fans, die man braucht, um überhaupt die Chance zu erhalten, dass Leute Geld geben können (Finanzierungsphase). Dafür hat man 30 Tage Zeit. Um potentielle Investoren schon möglichst früh an das Projekt binden zu können, zwar sinnvoll, aber eine Hürde, genauso wie das Sich-Registrieren müssen, um zu liken oder Geld zu geben.

Mein aktuelles Projekt auf Startnext:

Benjamin Hartwich

Benjamin Hartwich, M.A. Medien- und Kommunikationswissenschaften. Privat betreut er mehrere Webprojekte, bloggt und podcastet. In seiner Freizeit gestaltet er seinen eigenen Webradiosender. Mit 14 Jahren hat er ein Schulradio in Augsburg aufgebaut. Neben dem Studium arbeitete er 6 Jahre beim Campusradio Campus Crew als Moderator, Technikleiter, Musikchef und Programmchef mit.

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