Benjamin Hartwich

Ist es vielleicht schon zu spät?

Online einkaufen ist heutzutage so normal geworden, wie früher samstags Wetten dass zu schauen. Aber gerade in kleineren Städten tun sich die Einzelhändler schwer, online zu gehen. Die meisten fangen erst jetzt wirklich an, dabei liegt der Online-Handel schon seit Jahren fest in den Händen der großen Player.

Aber trotzdem: wir müssen versuchen, ob es online nicht auch anders laufen kann. Deswegen habe ich zusammen mit Kollegen die Initiative Passau.shop gestartet. Das ist eine eCommerce Plattform für Händler in Passau, die ihre Produkte auch gerne auch online herzeigen und verkaufen möchten.

Nach ersten persönlichen Gesprächen mit den Händlern ist das Bild dennoch etwas ernüchternd: nicht wenige haben bereits resigniert oder wollen aufhören – viele sind auch nicht mehr die Jüngsten und ein Nachfolger ist nicht da. Wird das in den nächsten Jahren dazu führen, dass die kleinen Läden fast vollständig aus den Städten verschwinden werden?

Ich kann nur hoffen, dass die Missgunst untereinander nicht stärker sein wird, als der Wille, etwas zu bewegen. Ich freue mich auf das, was passieren wird. Schaut vorbei unter www.passau.shop und begleitet meine Initiative!

Breitbandausbau, bau, blau, blub

Willkommen im langsamen, deutschen Internet – aber warten Sie, jetzt wird´s ja bald richtig schnell. Das meint zumindest Mutti, denn bis 2018 sollen überall 50 Mbit/s verfügbar sein. Sportliche Ansage schaut man sich die Situation in Passau an: Vodafone komplett überlastet, alle anderen Anbieter bringen maximal 16 Mbit/s rein und davon im Idealfall 12 Mbit/s. Ausnahme ist hier das lokale Unternehmen Telepark, aber das ist nur in wenigen Bereichen der Stadt verfügbar.

Nach meinem Umzug nach Passau (relativ zentral) habe ich mich bereits auf das neue, supergeile Internet von Vodafone gefreut: 200 Mbit/s mit Kabel und laut Anschlusscheck in meiner Wohnung kein Problem. Gesagt, getan und der Techniker stand eines Vormittags da und meinte, dass hier kein Anschluss möglich sei, da die Kabelleitungen in meiner Wohnung komplett veraltet wären, womit z.B. DVB-T Signale die Verbindung stören könnten, weil die Kabel nicht ordentlich abgeschirmt seien. Man müsse also ein neues Kabel vom Keller in meine Wohnung ziehen, was ca. 5.000€ kostet und niemand bezahlen würde. Und laut seiner Auskunft gab es in dem Haus schon mehrere Stornierungen wegen des gleichen Problems. Auf die Idee, das beim Anschlusscheck von Vodafone in die Seite einzupflegen, dass eben kein Anschluss möglich ist, ist scheinbar noch niemand gekommen.
Und ob meine Leitungen in der Wohnung überhaupt erneuert werden, wird irgendwann auf irgendeiner Eigentümerversammlung entschieden – ob ältere Leute, denen die Wohnungen größtenteils gehören, sich für ein schnelleres Internet interessieren, wage ich zu bezweifeln. Aber ein Hoch darauf, dass wir digitales Fernsehen haben – supergeil (nur ohne Internet)!

Apropos Vodafone: laut einem Kollegen wäre das sowieso suboptimal gewesen, da Vodafone im Bereich Passau massive Engpässe am Abend hat. Da kämen dann vielleicht maximal 2 Mbit/s durch, manchmal sogar unter 1 Mbit/s.
Letztlich bin ich bei 1&1 gelandet, da der Upstream besser geregelt war als bei anderen Anbietern und das Verkaufsargument beim Bestellen: in spätestens 8-12 Wochen wird auf jeden Fall mehr verfügbar sein, da gerade ausgebaut wird. Ein Blick auf die Ausbaukarte der Telekom, die für fast jeden anderen Anbieter bei VDSL zum Thema Ausbau gilt, verrät: nichts! Keine Zeitpläne nur eine Karte mit bunter Farbe und dem weißen Fleck auf meiner Adresse.

Nachgefragt! 1&1 meint, sie wissen auch auf einmal nichts mehr genaues und sie könnten sich auch nur an die Pläne der Telekom halten, aber ich könne ja mal mit der Stadt sprechen, weil die müsse das letztlich durch Förderungen etc. antriggern. OK, dann auf zur Stadt. Die einzelnen PDFs zu Förderungen und Markterschließung verraten nichts aufschlussreiches. Zumindest wurde im PDF zur Markterschließung auf die Straßennamen verzichtet, was Kaffeesatzlesen gleich kommt. Ich schrieb an den Zuständigen für den Breitbandausbau und bekam promt und kompetent Antwort:

Ihre Straße ist nach den uns vorliegenden Informationen sowohl von der Telekom als auch von Vodafone (ehem. Kabel Deutschland) mit mind. 30 Mbit/s im Download erschlossen bzw. wird dies bis ca. Ende 2019 sein.

Moment, 2019? Wenn das Mutti hört… und wie sieht das jetzt eigentlich mit den Förderungen aus:

Die Informationen, die Sie auf der Homepage der Stadt Passau vorfinden, beziehen sich nur auf den *GEFÖRDERTEN* Breitbandausbau. Eine Förderung mit staatlichen Zuschüssen ist aber nur dort möglich, wo sich kein Anbieter findet, der eine Bandbreite von mind. 30 Mbit/s durch eigenwirtschaftlichen Ausbau zur Verfügung stellt.

Aha, sobald ein Anbieter sagt, er baut aus, besteht kein Zeitdruck mehr, weil geht ja schon – irgendwie. Aber hat die Stadt hier keinerlei Druckmittel?

Es ist aus meiner Erfahrung durchaus kein Einzelfall, dass die im Rahmen der Markterkundung von Telekom und Vodafone gemachten Bandbreitenaussagen derzeit noch nicht eingehalten werden. Allerdings hat die Stadt Passau keinen gesicherten und robusten Einfluss auf die eigenwirtschaftlichen Ausbaupläne der verschiedenen Anbieter. Der einzige Einfluss, den wir ausüben können, betrifft die Auswahl von Teilgebieten, die für einen geförderten Ausbau in Frage kommen. Dazu können jedoch Gebiete, die lt. Auskunft der Anbieter bereits ausgebaut sind (oder dies in den nächsten drei Jahren sein werden) nicht gehören.

Fassen wir zusammen: Kabelanschluss ist da, aber geht halt nicht bis in die Wohnung wegen zu alter Kabel. Alle wollen Kabel Internet und keiner kann mehr surfen weil überlastet (Ausbau irgendwann nächstes Jahr), 1&1 zeigt auf die Telekom, die Telekom auf die Stadt und die Stadt weiß eigentlich von nichts, weil Telekom & Co ja bereits versichern, sie fangen dann mal mit Ausbau an.

“Schatz, machst du schonmal Netflix an” – “Hab ich schon, aber der buffert noch.” Vielleicht fördert das ja in Zukunft mehr zwischenmenschliche Aktivitäten am Abend?

Der beste Glühwein

Zur Weihnachtszeit wollte ich Glühwein selbst machen – weg mit dem Billigdreck aus dem Supermarkt. Nach zwei Anläufen ist mir nun ein sehr guter Glühwein zum Selbermachen gelungen.

Zutaten:

  • 1 Flasche Rotwein: Merlot France (Aldi)
  • 1 Flasche Orangensaft rio d´oro ohne Fruchtfleisch, Direktsaft (Aldi)
  • 1 Flasche Apfelsaft, 100% Fruchtgehalt, kein Fruchtfleisch (nicht auf dem Bild, Edeka)
  • 1 Orange, frisch, Bio (nicht auf dem Bild, Edeka)
  • 1 Zitrone, frisch, Bio (Edeka)
  • 1 Packung Nelken (Rewe)
  • 3 Zimtstangen (Rewe)
  • Kandiszucker (Aldi)

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Radioplayer.de: Der alte Sums, nur neu verpackt

Vor knapp drei Monaten habe ich mein erstes Webradio in Betrieb genommen: 24 Stunden pro Tag ein Live-Musik Mix mit bisher vereinzelten Live-Sendungen. Für jeden Amateurfunker ohne das Marketing-Budget der Verlagshäuser ist es wichtig, bei zentralen Webdiensten gelistet zu werden: radio.de, tunein.com etc. Dort suchen potentielle Hörer nach ihren Musikgenres, Umgebung oder Sendernamen und die Apps gibt es für jedes Endgerät. Internetradiogeräte haben solche Listen dann auch mit eingebaut, so dass die Genre-Suche nach Sendern auch wie beim alten Küchenradio funktioniert.

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Mein Webradiosender ist gestartet

Vor fast einer Woche ging mein erster eigener Webradiosender On Air: Pirate Radio Bayern.

Seit ich 2005/06 mit Schulradio angefangen habe, das als kleine Webradiostation in unbekannte Weiten streamte, war es immer mein Traum, das komplett eigenständig zu machen. Nach längerer Tätigkeit beim Uniradio und eigenen Sendungen habe ich soweit auch ein radiofähiges Musikarchiv zusammenstellen können, so dass es für eine Anfangsrotation reicht: Electronica, Rock, Alternative, Hard-Rock. Live-Sendungen und Inhalte fehlen bisher natürlich noch – wie soll es auch groß gehen bei einem Ganztagsjob. Aber verschiedene Musiksendungen am Abend waren mir wichtig: Polarlichter mit Ambient / Chill-Out kannte ich bereits aus meiner Zeit beim Uniradio. Hard Rock und Metal gepaart mit Oldies und Soundtracks haben mich seit meiner Jugend mit der abendlichen Cinema Show auf Klassik Radio begeistert. Die Hauptmusik von Pirate Radio Bayern ist aber die der Montagabend Show – einer Late-Night Show des Uniradios, die ich fast 6 Jahre moderiert habe.

Inspiration für den Musikmix und die Art Sendungen zu machen, habe ich mir dafür von der damaligen Show Brot & Spiele auf Radio Fantasy in Augsburg geholt. Ich habe während meiner Zeit als Moderator immer wieder zu hören bekommen: Hey, eure Musik ist echt cool – kann man so schön nebenher was machen.

Also, schaltet ein unter www.pirateradio.bayern und sucht uns bei Radio.de oder TuneIn.com. Die Apps gibt es für alle Plattformen.

Radio kann mehr als Klopapier

Radio begeistert mich seit der 7. Klasse – weil ich seitdem selbst hinter dem Mikro stehe, die Fader ziehe, die Musik aussuche, mit Menschen rede etc. und doch finde ich es zum Kotzen.

Oh nein, nicht schon wieder so ein Formatradio ist doof Artikel. Formatradio ist super, was sollte es auch sonst anderes geben? Ein Radio ohne Format ist wie ein Schokokuchen, den man statt in den Backofen ins Kühlfach stellt: ein undefinierbarer Brei mit ein paar Schokostückchen. Der fehlende Mut, der nicht vorhandene kreative Idealismus, die (Nachkriegs-) Medienpolitik auf Landesebene und die Hörerbindung auf Grundschulniveau sind für mich die Hauptprobleme in der deutschen Radiolandschaft: nichts weiter als MusikAldis und InformationLidls – jede Woche ein neues Sonderangebot bis es auch der letzte gehört hat.

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