Crossm… – ach halt die Klappe

Das Medien Buzzwording ging gestern in eine neue, kleine Runde. An der Uni Passau fand am Samstag, 12. Juli die Fachtagung Crossmedia vom MedienCampus Bayern e.V. statt. Die Veranstaltung richtete sich an Studierende aus ganz Bayern und teils Volontäre. In zweieinhalb Einführungsvorträgen von Christian Jakubetz, Markus Kaiser und Stefan Westphal ging es um Cross-, Trans- und Social Media.

Ein Abriss.

Transmedia und Paralleluniversen

Über 36 Millionen Tweets während des WM-Spiels Deutschland vs. Brasilien können nicht als einzelnes Phänomen wahrgenommen werden, sondern sind Indikator für ein komplett neues Medienverständnis. Christian Jakubetz (Sinngemäßes Zitat)

Die Paralleluniversen im Social Network. Oft höre ich von älteren Medienmachern, was man denn diesem Geplapper abgewinnen soll – und sie haben teilweise recht: Natürlich stehen die meisten Tweets für sich und Facebook war schon immer mehr der digitale Biergarten mit verschiedenen Stammtischen als journalistisch relevanter Inhalt. Darüber als Zeitung, Radio oder Fernsehen zu berichten, hat keinen Mehrwert. Aber es geht und ging nie darum, über Social Media zu berichten, sondern darum als Medienfirma Teil davon zu sein. Nicht im Sinne eines Sendekanals (#Linkschleuder), sondern als unterhaltende Begleitung im Kontext des jeweiligen Netzwerks bzw. im Kontext der jeweiligen sozialen Gruppe in diesem Netzwerk. Das wäre dann das Konzept von Transmedia:

Dieser Kontext kam bei der Tagung allerdings zu kurz: Es wurde viel über Änderungen bei den Konsumenten und über zu wenige Warum-machen-wir-das-so-Fragen bei den Machern gesprochen, aber immer ganz allgemein. Doch dass diese neuen Regeln immer auf eine genaue Zielgruppe angewendet werden müssen (#Marktsegmentierung) und sich damit z.T. widersprechen, war selten Thema. Beispiel: Ist es für Hörer vom Deutschlandfunk ein positives Signal, wenn der Sender einen Vine-Account führt oder Sendungskontext über Instagram verbreitet? Anders formuliert: In welchem Kontext bewirkt dieses “Fancy Media”  genau das Gegenteil? Müssen wir nicht mehr in sozialen Milieus und deren Social Media Präferenz denken? Ich freue mich auf Kommentare dazu!

Mediendispositiv und Personalisierung

Stefan Westphal ist schon lange in der Branche unterwegs – Radio, Vorträge, eigenes Startup und nun auch die fertige Diplomarbeit über Medienkonvergenz und Medienwandel mit ca. 12 Jahren Verspätung. Basis seines Vortrags waren Dispositive:

Grundlegend ist die Annahme, dass Verhalten, um als soziale Handlung wahrgenommen werden zu können, den Regeln des Dispositivs genügen muss, gerade auch als negativ oder unnormal bewertetes Verhalten. Quelle: Wikipedia.

In einem Rundfunkdispositiv wirken z.B. mehrere Komponenten zusammen: Sendetechnik, Programmauftrag, Produktion, Rezeption, Konkurrenz etc. Dieses Dispositiv verändert sich dynamisch, je nach Veränderung einer Komponente durch Zeit, Verhalten u.ä. Ausgehend von einem analogen und einem digitalen Dispositiv bei Rundfunkanstalten haben sich Rezeption und Konkurrenz beispielsweise ins Digitale verschoben, während Finanzierung und Produktion von den Machern aus Angst im Analogen festgehalten wird. Das führt dazu, dass die Zusammenhänge zwischen Rezeption und analoger Produktion immer schwächer werden und sich stattdessen auf die Konkurrenz im Digitalen verlagern. D.h. auf kurz oder lang wird die Finanzierung nicht mehr möglich sein, wenn sich die Produktion nicht ins Digitale verlagert. Der gesamte Vortrag in ähnlicher Ausführung:

Die Konkurrenz? Stichwort: Personalisierung! Menschen in sozialen Paralleluniversen möchten Spezialcontent und der ist bei der Massentauglichkeit der großen Rundfunksender wenig vorhanden. Was passiert? Ein Startup aus den USA z.B. wird das Radioerlebnis neu definieren – Swell:

http://www.youtube.com/watch?v=-9ItS3N6KwE

Der Spot ist etwas kindisch gemacht, aber ich würde das sofort nutzen – wer in meinem Alter auch nicht? Internet im Auto ist noch nicht sichergestellt? Wird es sehr bald 😉 Was an dem Konzept dieser App auch auffällt: Es geht ja gar nicht um Musik, aber womit definieren sich die meisten Hörfunksender in Deutschland? – Ups. Dass linearer Content auch funktionieren kann, zeigt Detektor.fm. Hier gewinnt eben die Spezialisierung.

Wenn wir Medienstudenten also bald in unseren ersten Job stolpern, der von vermutlich eher konservativen Medienleuten definiert wird, sollten wir die Reflexion auf “Warum wird das so gemacht” nie vergessen. Ob wir diese Frage unserem Chef stellen können, ist eine Abwägungssache. Nichts desto trotz werden solche Fragen und unsere Antwort darauf darüber entscheiden, wie lang wir wie gut bezahlt werden können. Ansonsten wäre es jetzt während des Studiums vielleicht Zeit für:

https://vine.co/v/MxXUOK9zOie

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Benjamin Hartwich

Benjamin Hartwich, M.A. Medien- und Kommunikationswissenschaften. Privat betreut er mehrere Webprojekte, bloggt und podcastet. In seiner Freizeit gestaltet er seinen eigenen Webradiosender. Mit 14 Jahren hat er ein Schulradio in Augsburg aufgebaut. Neben dem Studium arbeitete er 6 Jahre beim Campusradio Campus Crew als Moderator, Technikleiter, Musikchef und Programmchef mit.

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