The only constant in life is change

Das las ich vor ein paar Jahren in einem naturwissenschaftlichen Museum – ein Axiom. Der Kondratjew Zyklus ist eine spezielle Ausprägung: Kurz zusammengefasst beschreibt dieser Zyklus strukturelle Änderungen in der Wirtschaft, die alle 50 bis 60 Jahre auftreten, die von technischen Innovationen ausgehen. Auch wenn diese Theorie statistisch nicht nachgewiesen ist, erinnert die derzeitige Situation in der Medienbranche stark daran.

Der (technische) Auslöser: Die Digitalisierung / das Internet.

Größere Zeitungen gehen insolvent, Stellenabbau generell in der Printbranche, kurze Zeitarbeitsverträge (Generation Fest Freie), viele Tätigkeitsbereiche, wenig Geld. Es gibt viele Phrasen um die zum Teil desolate Situation in der Medienbranche zu beschreiben. Zur Zeit trifft es immer mehr die Printbranche, doch auch Radio und Fernsehen werden in den nächsten Jahren die selben Probleme haben. Der Auslöser liegt natürlich an der Digitalisierung und Vernetzung der Menschen im Alltag, allerdings kann von Schuld einer Technologie nie die Rede sein.

Erinnern wir uns an den Medientheoretiker Marshall McLuhan: The medium is the message. Sein Kernthese besagt, dass ein Medium in erster Linie die Denkstrukturen eines Menschen ändert und das Internet ist das größte Medium, das es jemals gegeben hat. D.h. in den letzten Jahren hat sich das Denken der Menschen an die Strukturen des Netzes gewöhnt, was für die Produkte vieler (Medien-)Unternehmen bedeutet: Dein Angebot ist zwar toll, aber nicht mehr zeitgemäß. 

Versuchen wir doch einmal die Denkstrukturen zusammenzustellen, das das Medium Internet nach einer Zeit ganz unbewusst im Kopf seiner Nutzer hinterlässt:

  • Fast alles ist fast immer ganz schnell erreichbar.
  • Aus vielem wird eins: Eine Plattform beinhaltet verschiedene Produkte, mehrere Unternehmen.
  • Inhalte zu erstellen und zu selektieren, kann ich auch. Ich folge meinen Interessen.
  • Ich bin mit anderen Menschen verbunden und kann mich fern ab von Institutionen mit ihnen austauschen / gemeinsame Interessen verfolgen.
  • Die Verbreitung von Informationen und Daten liegen in der Hand von jedermann.
  • Das größte Einkaufszentrum trage ich in meiner Hosentasche.
  • Wissen, Möglichkeiten und Ideen sind grenzenlos.

Das war nur ein subjektiver Auszug der Gedankenwelt eines Menschen von heute und das ist auch der der Hauptgrund, warum klassische Angebote in der Medienbranche nur noch bedingt funktionieren. Eine ganze Zeitung kaufen, wenn ich nur einen Artikel aus der Rubrik lesen möchte? Online-Abos einer Tageszeitung sind teurer als die Papiervariante. Warum soll ich eigentlich bis morgen warten? Mit Mainstream erreicht ihr mehr Menschen, um so euren Radiosender finanzieren zu können? Das ist schön, aber meine Musik spielt schon bei mir, egal wo ich bin. Was ist also das Besondere an euch? Achso, der Wetterservice, die Lokalnachrichten und lustige Moderatoren? Wetter-App, Online-Reader und Facebook sind da leider attraktiver. 

Aber wie kann sich die Branche ändern? Was sind Charakteristika “Neuer Medien” und wie werden sie konsumiert? Wie verändert sich das Berufsbild des Journalisten? All diese Fragen versuchen wir bei Medienalltag.org zu diskutieren, um neue Ansätze und Anregungen für den Alltag zu geben.

Was habe ich erst letztens bei meinem Praktikum beim Bayerischen Rundfunk gelernt: Das Ende sollte immer positiv enden, um den Leuten Mut zu machen. Here you go: Wir Medienmacher befinden uns gerade in einer der spannendsten Phasen der Medienlaufbahn. In diesem Sinne, Wecker stellen für rechtzeitige Änderungen und jede Möglichkeit des Austauschs nutzen.

www.medienalltag.org

Benjamin Hartwich

Benjamin Hartwich, M.A. Medien- und Kommunikationswissenschaften. Privat betreut er mehrere Webprojekte, bloggt und podcastet. In seiner Freizeit gestaltet er seinen eigenen Webradiosender. Mit 14 Jahren hat er ein Schulradio in Augsburg aufgebaut. Neben dem Studium arbeitete er 6 Jahre beim Campusradio Campus Crew als Moderator, Technikleiter, Musikchef und Programmchef mit.

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