Campus Crew Studio

Viele Nerven hat mich schon die erste Version des Campus Crew Studios gekostet, die zweite und bessere doppelt so viele, was irgendwie paradox ist – noch mehr Knöpfe, besserer Sound?! Ein kleiner Einblick hinter die Kulissen…

Das Sendestudio des Passauer Uniradios ist ein Selbstfahrerstudio, mit einem großen Unterschied: Wir besitzen kein Rundfunkpult, sondern steuern alles über einen Software-Mixer fern. Normalerweise ist davon nichts zu halten, da es nur wenige Studioautomationen gibt, die mit dieser Konfiguration brauchbar umgehen können, doch wir haben eine gefunden: ProppFrexx On Air v3. Wir entschieden uns also einerseits wegen der umfangreichen und sehr guten Software, aber auch aus Kostengründen dafür und weil wir der Überzeugung sind, dass es im (Web-)Radio nicht auf Optimods und dergleichen, sondern auf ein sauberes, solides Programm ankommt.

Für einen guten Sound sorgt bei uns das RME Fireface UC samt Mikrophonvorverstärker und für die richtige Power ein Dell Quadcore. Damit die Stimme auch gut klingt, 3 mal ein Shure SM 7 B und einen Kompressor von Samson. Gesteuert wird unsere Software von einem Lividinstruments 64 Ohm. Damit nicht alles über einen PC läuft nutzen wir eine e-Box als Recherche-, Studiomail- und Webcam-Rechner. Aber nun genug der Worte, Bilder:

Update: Wir haben nochmal kräftig aufgerüstet und umgebaut. Soll ja nach was ausschauen 😉

Benjamin Hartwich

Benjamin Hartwich, M.A. Medien- und Kommunikationswissenschaften. Privat betreut er mehrere Webprojekte, bloggt und podcastet. In seiner Freizeit gestaltet er seinen eigenen Webradiosender. Mit 14 Jahren hat er ein Schulradio in Augsburg aufgebaut. Neben dem Studium arbeitete er 6 Jahre beim Campusradio Campus Crew als Moderator, Technikleiter, Musikchef und Programmchef mit.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Hi Benjamin,

    Super Info. Darf ich dich dazu gleich um deinen Rat bitten?
    Ich bin auf der Suche nach einem geeigneten Radio Setup für unser neu zu gründendes, gemeinnütziges Webradio.
    Wir sind alle nicht die Technikfreaks – aber ich kenne mich als Hobbymusiker einigermassen mit analogen Soundanlagen aus und hab meine ersten digitalen Erfahrungen mit einem M-Audio USB Interface gemacht.

    Ich habe auf deiner Webseite zum ersten Mal von ProppFrexx gelesen! Das Teil sieht ja echt gut aus und erspart einiges an Verkabelung und Setup im Vergleich zu einem analogen Mischpult mit mAirList als Software.

    Alternativ zu mAirList hätten wir uns SAM Broadcaster angeschaut, aber das ist nach meinem Verständnis ziemlich limitiert. Zb wüsste ich nicht, wie ich mehrere Moderatoren integrieren soll – ausser über ein externes Mischpult – was aber mir aber dann beim Monitoring Kopfzerbrechen macht. Auch die Hardwarekontrollmöglichkeiten sind quasi null.

    Wie schwierig war das ProppFrexx Setup? Besonders auch im Hinblick auf die Hardwaresteuerung? Braucht man dafür In-Depth Knowledge oder ist das einfach zu konfigurieren?
    Ist das Programm noch sehr neu oder wieso ist es so wenig verbreitet?

    Ich nehme an für ProppFrexx brauch ich folgendes Setup (wir hätten gern 2-3 Studio Mics): Studio PC mit ProppFrexx (für alles von DJ, Mixing bis Encoding), USB/Firewire Audio Interface mit mind 4 XLR Ins, Phantomsp., und Midi in/out, 3x Studiokopfhörer und 4 Kanal Kopfhörerverstärker, 3x Grossmembrankondens. Mics, ein midifähiges Kontrollteil mit …hm… mindestens 4 Schiebereglern?
    That’s it?

    Oder wäre es vielleicht einfacher, für die DJ Decks eine Traktor Kontrol zu verwenden und für Cartwall, Mixing und Mikrosteuerung ein separates Midicontrolteil?

    Vielen Dank für deine Hilfe!
    Wir möchten gerne professionell & state of the art senden, aber uns auch nicht etwas anschaffen, das uns mehr Kopfzerbrechen macht als Freude.

    Lieben Gruss, Tobi

  2. Hi,

    also ProppFrexx (PF) ist keine leichte, aber auch keine schwer zu bedienende Software. Einarbeiten muss man sich, is klar, aber du hast überall Tool Tips, die dir weiterhelfen und es ist nicht so, dass man ein Nerd sein muss und programmieren können muss. Dadurch, dass die Software vieles implementiert hat, wirkt es auf den ersten Blick viel und erschlägt einen, aber ich bin sehr zufrieden und würde von SAM generell abraten. SAM ist was für Leute, die ein Jukebox-Radio betreiben wollen. Im übrigen hilft der Programmierer (deutsch) auch gerne weiter und nimmt sich die Zeit für lange Erklärungsmails. Das Handbuch und die Software ist auf englisch, aber das dürfte eigentlich nicht weiter schlimm sein.

    Du musst dich halt entscheiden: Willst du ein Radiostudio oder ein Webradiostudio, in dem es darum geht, möglichst nahe am Radiostudio dran zu sein? Wenn du ein Radiostudio willst, würde ich mAirList nehmen und dazu eine Music Scheduling Sofware, wenn du nur nahe dran sein willst, dann PF.
    Denn folgende zwei Dinge musst du bedenken:
    a) mit Soundkarten zu arbeiten ist immer sone Sache, wenn alles innerhalb der Soundkarte bleibt, d.h. du brauchst ne richtig teure Karte, die es dir auch möglich macht ohne Latenz die Mikros am besten über ADM (ASIO Direct Monitoring) zu hören, denn das Problem bei dieser Soundkarten-Lösung ohne Pult ist ja, dass die Soundquellen intern kopieren musst, d.h. wirst nie die richtige Sendesumme, so wie sie real draussen klingt hören können, sondern immer nur eine Näherung daran, da du das Mikrophonsignal nicht einfach innerhalb einer Software ohne Latenz auf deine Kopfhörer schalten kannst, ohne Verzögerung zu haben.
    Daher 600€+ solltest du als Soundkarte anvisieren. Also ohne ADM-Feature würde ich nicht arbeiten!

    b)Midi-Controller. Auch hier gilt, 500€+ als Richtwert für die Qualität, denn alles andere stürzt dir laufend ab und macht nur Probleme. Einen Midi-Controller zu konfigurieren ist etwas ekelhaft, aber durchaus machbar, wenn man das Prinzip einmal raus hat. Wenn du dir einen anschaffst, sollte er genug Fader haben (standardmäßig 8 ) und Funktionstasten. Wenn du die Cardwall bedienst, dann brauchst du entweder ein Extrateil oder es muss integriert sein. Lividinstruments 64 Ohm hat es integriert, bei anderen Lösungen musst halt kombinieren.

    Generell würde ich sagen, dass es immer das Beste ist, mit einem Rundfunkpult zu arbeiten, da dort die Signale halt real abgemischt werden, aber es ist auch die teuerste Lösung. PF würde mit dieser Lösung auch super funktionieren, aber wie schon gesagt, überleg dir, was du möchtest und dann kannst du ja an die Hersteller herantreten und dich beraten lassen.

  3. Cool, Benni!

    Danke für die rasche Antwort!

    Die Sache ist: wenn wir nicht digital mixen werden wir wohl trotzdem kein Pro-Rundfunkpult anschaffen (zu teuer). Wir würden dann eben mit einem vorhandenen 12 od 16 Kanal P/A Pult arbeiten.

    Wenn ich hierbei dann jedem Player Deck (A&B) bei mAirList einen eigenen Stereokanal zuweise, dann wird das Faden eine ganz schön unangenehme Herumreglerei (mit einem analogen Mischpult hab ich ja keine Faderstart Funktion bzw. keine Interaktion zwischen Software & Pult).

    Insofern vielleicht am Besten, das Mixing/Fading zw. den DJ Decks in der Software zu machen und dann in einen einzigen Stereokanal am Mischpult rein, oder? Für die Moderation braucht es dann nur mehr eine Hand am Mikrokanal und eine am “Stereo-Musikkanal”.

    Falls wir das ganze Digital lösen, würden wir auf jeden Fall ein Interface in der Fireface Liga anschaffen. Habt ihr externe Mic Preamps? Denn ich glaub das UC hat ja auch nur 2 eingebaute, oder?
    Als preislich günstigere Alternative zum SM 7 B würde ich das Rode Procaster nehmen.

    Danke für die Info zum MidiController. Werd mich da mal schlau machen.
    Grüsse, Tobi

    P.S. Hast du Radiocube ONAIR mal evaluiert?

    1. Bevor ihr euch ein Mischpult anschafft und mehr schlecht als recht die Software steuern könnt, nehmt lieber einen Midi-Controller, der euch ein paar mehr Nerven kosten, aber im Endeffekt näher an Radio bringt. Wir haben ja das Livid Instruments-Teil und RME Fireface. Beides kann ich nur empfehlen, kann aber auch sagen, dass ich beim Konfigurieren kurz davor war, alles aus dem Fenster zu werfen. So eine Erfahrung ist allerdings auch Pflichtprogramm, wenn man Radio machen will.

      Ja, so teure Mikros braucht man nicht, war auch etwas ne Fehlentscheidung, da die nur wenig Signalstärke haben. Nimm ein gutes Großmembranmikro mit Phantomspeisung, das klingt eig am Besten fürs Webradio. Zusätzlich haben wir noch den Mikrovorverstärker von RME und einen Kompressor. Alles in allem passend für den Zweck – und das soll auch die Hauptaussage meiner Antwort sein.

      P.S.: Nein, habe ich nicht, da die Zeit und das Equipment nicht da ist. Mein Bauchgefühl sagt mir aber eher nein 😉

  4. Servus Benni – Danke für deine ausführliche Antwort. Much appreciated.
    Ich denke wir werden auch virtuell mixen – ist einfach billiger und flexibler im Vergleich zu einem Rundfunkpult. Aber was letztendlich rausschauen wird ist immer noch work in progress. Ich hoffe, ich schaffe das Setup so leidlich…

    Eine Frage noch – ich hab überall gesucht, ohne Erfolg: Hat das Ohm64 Motorfader? Oder bleiben die stehen, wo man sie belassen hat, wenn man in der Software den Regler mit der Maus verschiebt?

    Für den Preis sollte das Feature eigentlich verbaut sein, aber nachdem das Ohm ja eher ein VJ/Live Controller ist, bin ich mir nicht sicher.

    Und: Habt ihr für euer drittes Mikro einen externen Preamp? Denn das Fireface hat ja nur auf Kanal 1 und 2 welche verbaut, oder hab ich das falsch gesehen?
    Danke dir! – Tobi

    1. Hi,
      nein das Ohm 64 hat keine Motorfader. Du kannst dir auch zwei Geräte kaufen: Einmal ein Pad und einmal einen Controller mit Fadern. Kostet halt dann mehr. Die Frage ist halt auch, wozu Motorfader…
      Wir nutzen für alle Mikros einen Preamp, den von RME.

      LG

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