Wir sind das Geheimnis

Kirche, Glaube, Gott – mehr Selektionsmechanismen können keine anderen drei Worte beim Leser hervorrufen. Ich zerstöre mir damit zwar eine schöne Einleitung, aber da ich in meiner weichgekochten Medienmanier niemand zu sehr erschrecken möchte: Ja, es geht nun um metaphysisches. Also anschnallen, festhalten oder am besten gleich wieder zu Spotify oder sonstigen altersgerechten Langeweile-Killern wechseln.

Hast du dich schon einmal gefragt, was ist dort oben hinter den Wolken schräg links? Warum passiert das alles? Gibt es überhaupt ein Wer? Ich hoffe es, schließlich haben diese Fragen grundsätzlich nichts mit Kirche, Religion oder Glaube zu tun, denn die Antworten könnten “nichts, aus purem Zufall, nein” lauten. Ja, selbst die Nihilisten glauben an etwas – ein Paradoxon der Ironie.

Ich habe mir diese Fragen oft gestellt, finde es schön ganz alleine in einer leicht kalten und doch mit warmen Licht durchfluteten Kirche zu sitzen. Geborgenheit, Halt. Aber im Grunde ist da nichts. Außer ein paar Kerzen und die geistreichen Worte einiger Männer, die der Nachwelt ihr Lebenswerk hinterlassen wollten. Im Grunde sitze ich nur hier und atme, spüre den Puls, der durch meine Adern jagt und frage mich, wie lange noch.

Ein Satz aus Star Trek “Am Rande des Universums” weist in eine interessante Richtung: “Was wäre, wenn Gott gar nicht da draußen ist, sondern in jedem von uns?” Zum derzeitigen Stand der Wissenschaft würde es zumindest passen. Was ist es für eine Gegebenheit, was ein Teilchen, das aus Wasser und Kohlenstoff Leben entstehen lassen kann? Bisher sind wir im Universum auf kein Leben gestoßen und sei es noch so winzig. Es regiert die pure Logik – Mr. Spock wäre stolz auf mich. Was ist es für ein Umstand, dass es auf dem Mars zwar derartige Elemente gibt, aber keine Spur von Leben?

Das würde bedeuten, dass das Leben nicht wissenschaftlich zu erklären ist. Vielleicht ist das göttlich. Doch aus tiefer Skepsis führt ein Weg zurück. Wenn das Puzzle des Lebens gelöst ist, wird trotzdem eine Sache immer noch verborgen bleiben: Wer oder was hat das Teilchen gemacht? Wohin geht es, woher kommt es – morgen sehe ich einen Menschen, der an mir vorüber geht, vielleicht etwas länger an. Vielleicht hat er Gott bereits gefunden.

Ein Plädoyer für das Leben.

Benjamin Hartwich

Benjamin Hartwich, M.A. Medien- und Kommunikationswissenschaften. Privat betreut er mehrere Webprojekte, bloggt und podcastet. In seiner Freizeit gestaltet er seinen eigenen Webradiosender. Mit 14 Jahren hat er ein Schulradio in Augsburg aufgebaut. Neben dem Studium arbeitete er 6 Jahre beim Campusradio Campus Crew als Moderator, Technikleiter, Musikchef und Programmchef mit.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Yes, yes, yes, yes, YES! Und ich liege mit einem Schnupfen im Bett und quäle mich seit, naja, seit ich denken kann, mit der Absurdität, der wir unser Leben verdanken, herum. Am planlosesten scheint mir die Selbstverständlichkeit mit der unsere Umgebung akzeptiert wird. Da sitzt du so als Gott rum im Nichts und willst was erschaffen. Och ja. Ist doch logisch! Da mach ich so Autos und Strassen und Bäume und setz Materiehaufen rein, die selbstständig Autos in Bäume fahren. Dann steh ich in der Früh so als Mensch auf und hab Hunger, dann Ess ich halt was, ist doch logisch! Hallo?!?!??Ultra nicht!!! Oder seh das nur ich so?! Ich bin übrigens der Meinung, dass, sollte sich irgendwann alles aufklären (was wir in unser menschlichen Existenzform meiner Meinung nach nie ganz verstehen werden), ist die Antwort eine Antwort außerhalb unserer Welt. Keiner wird sich mehr die Frage stellen woher das erste Teilchen kommt. Weil der Verstand vielleicht keinen zeitlichen Ablauf mehr fordert oder die Zeit nie existiert hat…

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